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Zwischenresümee

by Leonhard Helminger 28. August 2013 00:47

Wenn man bereits 5900 Kilometer und 23 Länder in den Beinen intus hat, dann denkt man allmählich an das Ende der Tour.
Ich, der keinen Tau vom Rennradfahren hat, bin mir bewusst, dass ich sehr lange in einem anderen Bezugssystem verweilt habe. Ich erinnere mich noch allzu gut an eine Fahrt mit dem Rennrad im Juni, bei der ich circa 20 Kilometer zurücklegte (ohne Gepäck). Ratlos, wegen der Überanstrengung, bewegte ich mich auf einen kleinen Hügel zum Verwandtschatfsbesuch.
Ich kann mich noch sehr gut an die damaligen Worte meiner Tante erinnern. „ A bissal den Berg aufi foan und du schwitzt scho so? Du hast schon so viel erreicht. Du wirst es schon wissen, wie du die Europatour bewerkstelligen wirst.“

Drei Monate später bewerkstellige ich Strecken wie Graz-Babenham (300 Kilometer) oder 220 Kilometer mit 30-50 Kilo Gepäck (Hercules plus Gepäck) in der Umgebung vom Saarland.

Es geht mir gar nicht darum, mich mit anderen Menschen zu messen, denn jeder Mensch besitzt andere Voraussetzungen und andere Möglichkeiten. Eine Gleichstellung anderer ist sinnlos und zwecklos, auch wenn es der Mensch immer wieder versucht- auch ich, aber ich versuche, es so gut wie möglich zu minimieren.

Auch wenn ich in vielen Situationen tollpatschig bin- zum Beispiel bin ich gestern wieder zahlreiche Stufen von der Rolltreppe mit Hercules heruntergefallen, Abschürfungen und ein paar blaue Flecken waren die Folge- aber eine meiner Charaktereigenschaften, die eine meiner größten Stärken und zugleich meine Achillesferse, ist, dass ich im Sport nicht aufgeben kann. „Koste es was es wolle“.
Habe aber auch eingesehen, dass der Sport und die Arbeit mehr sind, aber nicht alles, daher habe ich mich gedanklich seit Skandinavien bereits mit dem Gedanken „dahoam“ angefreundet. Das heißt ich fahre keine 280 km mehr und habe aus diesem Grund seit Rumänien auch das „animalische“ Denken reduziert bis abgestellt, weil ich in einem halbwegs stabilen psychischen Zustand in der Heimat ankommen möchte.

Die Tour hat sehr viele Erkenntnisse geliefert, auch im kulturellen Sinne, die zumeist in der Öffentlichkeit nur sehr wenig besprochen wurden. Exemplarisch ein These:“ Breits im Osten habe ich gemerkt, dass wir selbst die Möglichkeit haben, eine andere Person zu mögen oder anderes gesagt: Eine andere Person (nicht) sympathisch zu finden, liegt allein in unseren Händen, jedoch machen uns zumeist die kulturell bedingten Handlungen einen Strich durch die Rechnung. Diese sogenannten kulturellen Handlungen abzutrainieren bzw. zu minimieren, ist ein ewig andauernder Prozess. Die Sinnhaftigkeit jedoch liegt immer im Auge des Betrachters.

P.S: Ich mach jetzt dann zum ersten Mal seit Stockholm einen ganzen Tag Pause.

P.S2: Bissal mehr als 100 Kilometer sind noch zu fahren, aber diese werde ich mir größtenteils für die Abschlussetappe von der Schweiz aufsparen. 

Ganz liebe Grüße,
Leonhard

 

 

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Hallo Ruhrpott

by Leonhard Helminger 28. August 2013 00:43

Die letzten Tage waren nicht immer leicht. Seit Helsinki hat es immer wieder geregnet. Gestern war der 8. Tag mit Regen in Folge- heute scheint die Serie endlich zu reißen. Da ist die Motivation schon mal im Keller.
Am 19. August kam auch eine sehr ungute Reifenpanne kurz vor Dunkelheit hinzu. Wenn man bei Dunkelheit noch mit einem kaputten Reifen versucht, einen Campingplatz aufzusuchen, dann ist das sehr mühsam. Man genießt solche Momente gar nicht, aber man lebt in solchen Momenten nicht für den Moment, sondern für die Erfahrung.
Am 20. August absolvierte ich die erste beinahe ganztägige Regenfahrt über 220 Kilometer. Da kann es schon mal vorkommen, dass Herr H. aus B. in den Wald fährt und mal flucht um mit der Situation fertig zu kommen.

P.S.: Hercules hat auch seinen ersten 6000er seit dem Gründungsfest der Musikkappelle Lochen (8.Juni) hinter sich- wie man sieht hat es der Tacho noch nicht geschafft. Es fehlen noch 800 Kilometer bis zur imaginären Ziellinie.

P.S2.: Danke für euer ständiges wachsendes Interesse für die Tour- Den letzten Beitrag haben über 1000 Facebookuser gesehen.

Ganz liebe Grüße,
Leonhard

 

 

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Hallo Deutschland

by Leonhard Helminger 28. August 2013 00:41
ich bin jetzt in Lübeck. Es fehlen nur noch 1100 km.
In den letzten Tagen bin ich wieder ordentlich "geRadelt". Von Riga bis Puttgarden bin ich nur noch mit dem Rad (auch ein bissi mit der Fähre) unterwegs gewesen.
Ich gehe davon aus, dass ich in den letzten sechs Tagen über 1100 km mit "Hercules" zurückgelegt habe.
Ich kam mit den skandinavischen Preisen nur schwer zurecht, daher besorgte ich mir ein Zelt, Schlafsack plus einer Isomatte für 300 schwedische Kronen (umgerechnet für ca. 35 Euro- extrem günstig) bei Clas Ohlson, einem schwedischen Kaufhaus, genoss unter anderem die schwedische Wildnis oder auch das Camping am Bauernhof. Da ich mich mehrere Tage nicht waschen konnte, freute ich mich umso mehr wieder auf die Zivilisation und nach sechs Tagen eine warme Mahlzeit (oh wie geil woa des-yeah).  

Ganz liebe Grüße,
Leonhard

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Stockholm

by Leonhard Helminger 28. August 2013 00:38
Nach „Wien“ und „Schwarzes Meer“ geht der dritte Checkpoint „Stockholm „ allmählich zu Ende.
Es fehlen noch über 2000 Kilometer. Nach den erholsamen Tagen in Stockholm werde ich mich wieder voll auf das „Radln“ konzentrieren. Es geht Richtung Deutschland.
Von dieser Etappe bleiben die lustigen Momente mit den „Zeugenjehovas“ oder EGEA Kolleginnen/ Kollegen in Brünn oder Warschau und auch den estnischen Bauern, bei dem ich im ausgebauten Dachboden bzw. „Schuppen“ übernachten durfte, in Erinnerung. Ganz besonders empfand ich das Reparieren meines Rades mit einem Taubstummen, weil es zuvor ein Busfahrer demolierte, da dieser nicht auf gerade intelligenter Weise „Hercules“ im Gepäckraum verstaute.
 
Ganz liebe Grüße,
Leonhard
 
 

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