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Kritische Reflexion meiner Zug-, Bus- und Fahrradtour durch 25 Länder Europas

by Leonhard Helminger 16. June 2014 11:59

Angewandte Geographie mal anders: Ich widme mich mit meinem Beitrag einem Teilaspekt der Geographie, dem Raum und den Raumkonstruktionen im Geographieunterricht. Ich möchte mich auf den Raum als Kategorie der Sinneswahrnehmung beschränken. Meines Erachtens ist dies ein Aspekt von höchster Importanz, denn je nach Einstellung kann dies ein Zusammenleben fördern oder  auch erschweren. Ich möchte mich explizit den nord-, zentral- und südosteuropäischen Räumen widmen, denn im Sommer 2013 durchfuhr ich mit dem Fahrrad und mit Zug und Bus durch die Territorien dieser Länder (siehe Abbildung 1). Noch einen größeren Fokus werde ich auf  den südosteuropäischen Raum legen, da in Österreich zahlreiche Menschen sesshaft sind, die diesen Ländern abstammen.
Mit dieser Reise wollte ich mich sowohl physisch als auch psychisch an meine Grenzen herantasten. Meine Anschauung über den Südosteuropäischen Raum überdenken und auch unseres europäischen Erbes erleben.
Zusammengefasst fuhr ich, fast immer alleine, mehr als 6550 Kilometer in 55 Tagen mit dem Fahrrad durch Europa. Es war für mich die Tour der Gegensätze: an die vierzig Grad Celsius in Rumänien und Bulgarien, andererseits feuchte ein Grad Plus bei der Befahrung des „Stilfser Joch“.

 


Abbildung 1: Europakarte mit bereister Route. (Entwurf: HELMINGER, Quelle: stepmap.de 2013)

Ad hoc möchte ich den LeserINNEN meine absolvierte Route näher bringen:
Die Reise führte von Graz nach Slowenien, Ungarn und aus budgetären Gründen wieder zurück nach Graz. Dann unter anderem fuhr ich eine 300 Kilometer lange Etappe von Graz nach Lochen am See, meinem Heimatort.
Im Weiteren werde ich meine persönlichen Erfahrungen und meine Perzeption in Form eines Erfahrungsberichtes zum Ausdruck bringen. 
 Da persönliche Erfahrungen subjektiv sind, versuche ich abschließend noch ein paar wenige Thesen aus der Toleranzforschung einfließen zu lassen. 
Folglich fuhr ich in neun Tagen von Oberösterreich an das Schwarze Meer mit meinem Fahrrad „Hercules“ und 30 Kilogramm Gepäck, womit ein kleiner Lebenstraum in Erfüllung ging. Zur Fahrt zum Schwarzen Meer werden mir immer die heißen Temperaturen, die mir alles abverlangt haben, in Erinnerung bleiben. Aufgrund der zu geringen und falschen Ernährung waren oftmals 200-280 Kilometer „an“ der Grenze des Möglichen. An einem durchschnittlichen Tag musste ich bis zu 10.000 Kilokalorien zu mir nehmen, was mir jedoch vor Reiseantritt nicht bewusst war. Besonders in Ungarn waren die psychischen Ups und Downs in kurzen Abständen zu spüren. Durch die ungewohnte Umgebung, das Gefühl, mit dem „Anderssein“ nicht kommunizieren zu können, und durch die physischen Anstrengungen, fühlte ich mich in vielen Situationen total überfordert.
Die gefühlte endlose Weite mit geringer Reliefenergie in Ungarn wäre an sich eine attraktive Gegend, doch wenn man Stunden lang auf Schnellstraßen im Sekundentakt von LKWs und PKWs überholt wird, kann man nur schwer die gefühlte endlose Weite genießen.
Trotz allem hätte einiges schief laufen können. Ich habe mich nur schwer auf das kontinentale Klima Südost- Europas  und den damit verbundenen Temperaturen im Juli von 30-40 Grad zu Mittag und circa 10 Grad plus bei Nacht einstellen können. An einem heißen Tag in Rumänien musste ich bis zu 12 Liter Flüssigkeit zu mir nehmen.
Ein serbischer Mann, in der Nähe von Novi Sad (Abbildung 2), der mich nach einem spontanen Gespräch in einem ruralen Nahrungsmittelgeschäft zum Mittagessen einlud, sagte mir, ich solle mich glücklich schätzen, denn normalerweise sei es viel heißer zu dieser Jahreszeit.

 


Abbildung 2: Foto v. links n. rechts HELMINGER, MILES Vater und MILE mit Sohn nach einer spontanen Einladung zum Mittagessen. (Quelle: Handykamera HELMINGER 2013)

Nach 90 Stunden in 9 Tagen am Fahrrad kam ich in Constanta in Rumänien am Schwarzen Meer an. Durch den hohen Kalorienverbrauch verlor ich sieben Kilogramm Körpergewicht in neun Tagen.
Nach der Tour zum Schwarzen Meer war mein Körper stark angeschlagen- zu wenig hatte ich mich mit der Ernährung für solche Anforderungen auseinandergesetzt- umso mehr hat es mich gefreut meine Freundin, Familie und Freunde für ein paar Tage in der Heimat wiederzusehen. Sich in seinem gewohnten Umfeld zu erholen, war sicherlich ein zusätzlicher  positiver Faktor für meine physische, als auch geistige Erholung.
Dann ging es mit Fahrrad, Zug und Bus über Tschechien, Polen über die baltischen Staaten Richtung Skandinavien. Im Vordergrund stand nicht das Radfahren, sondern auch das Erleben neuer kultureller Eindrücke. Beispielsweise haben sich negative Klischees aus der Heimat über Polen ganz und gar nicht bewahrheitet. Ganz im Gegenteil: So lieh ich mir einmal die Kreditkarte eines polnischen Studenten, den ich erst am Tag zuvor kennengelernt hatte, da ich selbst auf meine eigene Karte keinen Zugriff hatte. In Estland ließ mich beispielsweise ein estnischer Bauer in seinem Schuppen übernachten, wofür ich ihm heute noch dankbar bin, da ich vom Rad fahren sehr erschöpft war.
Im Norden Europas (Finnland und Schweden)  waren die Menschen in ruralen Gebieten für kleine Dinge, wie Wegauskünfte sehr zuvorkommend, aber ich machte mit Einheimischen die Erfahrung, dass  sie  Menschen, die sie nur sporadisch kennen, ohne engerer Freundschaft, nur schwer Unterschlupf gewähren. 
Sie waren fast immer sehr freundlich, aber mit ihnen näher ins Gespräch zu kommen, erschien als extrem mühsam- das war in Südosteuropa in ländlichen Gebieten nicht der Fall! Andererseits genießt man in Skandinavien bei einem gut ausgebauten Radfahrnetz das Radfahren umso mehr und wenn man in ein Nahrungsmittelgeschäft mit gut Englisch sprechenden Angestellten in Kontakt kommt, erleichtert dies so einiges.
Von Skandinavien Richtung Heimat setzte  bis zu meiner Ankunft in Österreich immer wieder starker Regen ein. Einmal zählte ich sogar acht  Regentage in Folge. In solchen Momenten ist es enorm wichtig, dass man die ungünstigen Witterungsverhältnisse  akzeptiert und es annimmt so wie es kommt, denn sonst plagt man sich von einem psychischen Tief in das nächste.

Abschließend ein kurzes Fazit:
Mich fasziniert, dass ich es bewerkstelligt habe, meine durch die Erfahrung erworbenen Gewohnheiten zu überwinden (Zum Beispiel auf das oftmalige Benützen des Autos zu verzichten und stattdessen mit dem Fahrrad zu fahren). Ich bin mir bewusst, dass in unserer schnelllebigen Zeit Distanzen von 300 Kilometer aus zeitlichen und Interessensgründen nicht mit dem Fahrrad absolviert werden können. Distanzen bis zu 5 Kilometer hingegen hatte ich vor Antritt  meiner Reise aus reiner Bequemlichkeit bzw. ungünstigen Witterungsverhältnissen nicht  mit dem Fahrrad absolviert.

Darüber hinaus bin ich sehr dankbar dafür, dass ich durch diese Reise meine Vorurteile gegenüber Osteuropa bereinigen konnte.
Ich fühlte mich in den ersten Tagen im südosteuropäischen Raum im kulturellen Sinne besonders unwohl, daher  möchte ich meinen Aussagen auf den Grund gehen. Es sollen die Hintergründe von Intoleranz gegenüber anderen Ethnien charakterisiert werden. Natürlich handelt es sich um keine Hypothesen, sondern nur um einfache Vermutungen. Mein folgendes Fallbeispiel charakterisiert Intoleranz gegenüber anderen Ethnien. Das genannte Beispiel kann auf den  osteuropäischen Kulturraum transferiert werden.
Ich interessiere mich sehr für den interkulturellen Austausch verschiedener Ethnien, daher möchte ich eine Option von vielen nennen, wie Intoleranz entstehen kann.




Abbildung 3: Abänderung von Ursachen für Unterschiede zwischen Personen in Bezug auf Vorurteile, Diskriminierung und Toleranz gegenüber sozialen Gruppen- Die Sichtweise der Persönlichkeitspsychologie. (Quelle: Diskriminierung und Toleranz 2009)

Nun möchte ich noch kurz zur Raumkonstruktion Stellung nehmen. Aus Unannehmlichkeiten bzw. unangenehmen Erfahrungen aus der Vergangenheit gegenüber des „Andersseins“ resultieren zumeist generalisierte Einstellungen.
Abbildung 3 soll charakterisieren, dass eine Persönlichkeit X  generalisierte Einstellungen durch diverse Medien wahrnimmt. Diese  werden durch die Sinneseindrücke aufgenommen und in Folge besteht die Option, dass die Persönlichkeit X die generalisierten Einstellungen auf ganze Ethnien projiziert. Dazu ein einfach Beispiel: Man sieht fern und nimmt war, dass slawisch-stämmige Menschen in Österreich Kriminaldelikte begehen.
Man erwähnt medial gut benehmende Nicht-Österreicher nur in den seltensten Fällen, daher kann es für Persönlichkeit X ohne Selektionsgeschick den Anschein erwecken, dass slawisch  BürgerINNEN, die in Österreich sesshaft sind, generell gefährlich und strafanfälliger sind.
 Daraus könnte resultieren, dass man der Meinung ist, dass slawische Länder aufgrund ihrer Bewohner gefährlich sind und daher wird Persönlichkeit X diese Destinationen eher meiden. 
Meines Erachtens beruhten  meine generalisierten Einstellungen auf  medialen Sinneswahrnehmungen.
Im Weiteren soll man sich bewusst sein, dass kulturelles Verhalten ein Resultat erworbener Erfahrung ist- Kultur ist nicht von Geburt an Teil unseres Verhaltens. Es handelt sich um etwas durch die Erfahrung Programmiertes. Geht man davon aus, dass die Raumkonstuktion von jedem Individuum im Leben unterschiedlich erworben worden ist und je nach Erfahrung variiert, komme ich zum Schluss, dass nach meiner  philosophischen Perzeption, jeder Mensch nur eine Teilwahrheit von der universellen Wahrheit, falls es so eine gibt, wissen kann. Daher sollte man stets eine kritische Distanz zu sich selbst einnehmen und dies in den Fokus seines Bewusstseins rücken. Nur so ist bei Interaktionen mit Menschen, deren Wertvorstellung eine andere ist, ein fairer Umgang möglich. Man kann sich nie sicher sein, ob ein anderer Mensch im Recht oder Unrecht ist.
Summa summarum war meine Tour wirklich eine Erfahrung fürs Leben, die man jeder/jedem weiterempfehlen kann. Traut euch einfach etwas  zu, um die Welt einmal von einem anderen Blickwinkel zu erleben.
Ich wünschte, ihr hättet dieselben kulturellen Erfahrungen machen dürfen, dann würde der oder die ein oder andere sein Weltbild über den Südosten Europas überdenken.
Ich bin mir bewusst, dass einige unter uns der Kultur nicht so einen hohen Stellenwert zuschreiben, aber gebt dem „Anderssein“ eine Chance.

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In Kürze finden ein paar Vorträge über meine Reise statt

by Leonhard Helminger 21. January 2014 20:01

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Meine Route

by Leonhard Helminger 18. December 2013 23:16

Hier ist eine Karte mit den wichtigsten Städten, die ich auf meiner Europatour besucht habe:

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Artikel in der Braunauer Warte am Inn

by Leonhard Helminger 18. December 2013 23:11

Am 3. Oktober erschien folgender Zeitungsartikel über meine Europatour in der Braunauer Warte am Inn:

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Europatour mit Fahrrad, Zug und Bus

by Leonhard Helminger 4. October 2013 18:32

Ich fuhr mehr als 6550 Kilometer mit dem Fahrrad durch Europa in weniger als zwei Monaten. Es war die Tour der Gegensätze: an die vierzig Grad Celsius in Rumänien und Bulgarien, andererseits feuchte ein Grad Plus bei der Befahrung des Stilfser Joch.

Ein kurzes Resümee: Um mich auf die lange Tour, die ich alleine bestritt, vorzubereiten, fuhr ich mehrere Etappen durch Österreich; unter anderem auch eine 300 Kilometer lange Etappe von Graz nach Lochen am See.

Dann fuhr ich in neun Tagen von Melk an das Schwarze Meer mit meinem Fahrrad „Hercules“ und 30 Kilogramm Gepäck, somit ging ein kleiner Lebenstraum in Erfüllung. Zur Fahrt zum Schwarzen Meer werden mir immer die heißen Temperaturen, die mir alles abverlangt haben, in Erinnerung bleiben. Aufgrund der zu geringen und falschen Ernährung waren oftmals 200-280 Kilometer „über“ der Grenze des Möglichen. Der Körper gab mir dies in Form einer Erkrankung bitter zu spüren. Sieben Kilogramm in neun Tagen zu verlieren war wirklich am Limit. Am meisten bin ich jedoch dankbar, dass ich meine Vorurteile über Osteuropa bereinigen konnte. Ich wünschte, ihr hättet dieselben kulturellen Erfahrungen machen dürfen, dann würde der oder die ein oder andere sein Weltbild über den Osten überdenken. Ich bin mir bewusst, dass einige unter uns der Kultur nicht so einen hohen Stellenwert zuschreiben, aber gebt dem „Anderssein“ eine Chance.

Nach der Tour zum Schwarzen Meer war mein Körper stark angeschlagen, umso mehr hat es mich gefreut meine Freundin, Familie und Freunde für ein paar Tage wiederzusehen. Dann ging es mit Fahrrad, Zug und Bus Richtung Skandinavien. Im Vordergrund stand nicht das Radfahren, sondern auch das Erleben neuer kultureller Eindrücke. Einmal war ich so dankbar, dass mich ein estnischer Bauer in seinem Schuppen schlafen ließ, da ich vom Radfahren so erschöpft war. Im Norden Europas bis zu meiner Ankunft in Österreich setzte immer wieder starker Regen ein. Einmal zählte ich sogar acht Regentage in Folge. Es war wirklich eine Erfahrung fürs Leben, die man jederfrau/jedermann weiterempfehlen kann. Traut euch einfach was zu, um die Welt mal von einem anderen Blickwinkel zu erleben!

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Zwischenresümee

by Leonhard Helminger 28. August 2013 00:47

Wenn man bereits 5900 Kilometer und 23 Länder in den Beinen intus hat, dann denkt man allmählich an das Ende der Tour.
Ich, der keinen Tau vom Rennradfahren hat, bin mir bewusst, dass ich sehr lange in einem anderen Bezugssystem verweilt habe. Ich erinnere mich noch allzu gut an eine Fahrt mit dem Rennrad im Juni, bei der ich circa 20 Kilometer zurücklegte (ohne Gepäck). Ratlos, wegen der Überanstrengung, bewegte ich mich auf einen kleinen Hügel zum Verwandtschatfsbesuch.
Ich kann mich noch sehr gut an die damaligen Worte meiner Tante erinnern. „ A bissal den Berg aufi foan und du schwitzt scho so? Du hast schon so viel erreicht. Du wirst es schon wissen, wie du die Europatour bewerkstelligen wirst.“

Drei Monate später bewerkstellige ich Strecken wie Graz-Babenham (300 Kilometer) oder 220 Kilometer mit 30-50 Kilo Gepäck (Hercules plus Gepäck) in der Umgebung vom Saarland.

Es geht mir gar nicht darum, mich mit anderen Menschen zu messen, denn jeder Mensch besitzt andere Voraussetzungen und andere Möglichkeiten. Eine Gleichstellung anderer ist sinnlos und zwecklos, auch wenn es der Mensch immer wieder versucht- auch ich, aber ich versuche, es so gut wie möglich zu minimieren.

Auch wenn ich in vielen Situationen tollpatschig bin- zum Beispiel bin ich gestern wieder zahlreiche Stufen von der Rolltreppe mit Hercules heruntergefallen, Abschürfungen und ein paar blaue Flecken waren die Folge- aber eine meiner Charaktereigenschaften, die eine meiner größten Stärken und zugleich meine Achillesferse, ist, dass ich im Sport nicht aufgeben kann. „Koste es was es wolle“.
Habe aber auch eingesehen, dass der Sport und die Arbeit mehr sind, aber nicht alles, daher habe ich mich gedanklich seit Skandinavien bereits mit dem Gedanken „dahoam“ angefreundet. Das heißt ich fahre keine 280 km mehr und habe aus diesem Grund seit Rumänien auch das „animalische“ Denken reduziert bis abgestellt, weil ich in einem halbwegs stabilen psychischen Zustand in der Heimat ankommen möchte.

Die Tour hat sehr viele Erkenntnisse geliefert, auch im kulturellen Sinne, die zumeist in der Öffentlichkeit nur sehr wenig besprochen wurden. Exemplarisch ein These:“ Breits im Osten habe ich gemerkt, dass wir selbst die Möglichkeit haben, eine andere Person zu mögen oder anderes gesagt: Eine andere Person (nicht) sympathisch zu finden, liegt allein in unseren Händen, jedoch machen uns zumeist die kulturell bedingten Handlungen einen Strich durch die Rechnung. Diese sogenannten kulturellen Handlungen abzutrainieren bzw. zu minimieren, ist ein ewig andauernder Prozess. Die Sinnhaftigkeit jedoch liegt immer im Auge des Betrachters.

P.S: Ich mach jetzt dann zum ersten Mal seit Stockholm einen ganzen Tag Pause.

P.S2: Bissal mehr als 100 Kilometer sind noch zu fahren, aber diese werde ich mir größtenteils für die Abschlussetappe von der Schweiz aufsparen. 

Ganz liebe Grüße,
Leonhard

 

 

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Hallo Ruhrpott

by Leonhard Helminger 28. August 2013 00:43

Die letzten Tage waren nicht immer leicht. Seit Helsinki hat es immer wieder geregnet. Gestern war der 8. Tag mit Regen in Folge- heute scheint die Serie endlich zu reißen. Da ist die Motivation schon mal im Keller.
Am 19. August kam auch eine sehr ungute Reifenpanne kurz vor Dunkelheit hinzu. Wenn man bei Dunkelheit noch mit einem kaputten Reifen versucht, einen Campingplatz aufzusuchen, dann ist das sehr mühsam. Man genießt solche Momente gar nicht, aber man lebt in solchen Momenten nicht für den Moment, sondern für die Erfahrung.
Am 20. August absolvierte ich die erste beinahe ganztägige Regenfahrt über 220 Kilometer. Da kann es schon mal vorkommen, dass Herr H. aus B. in den Wald fährt und mal flucht um mit der Situation fertig zu kommen.

P.S.: Hercules hat auch seinen ersten 6000er seit dem Gründungsfest der Musikkappelle Lochen (8.Juni) hinter sich- wie man sieht hat es der Tacho noch nicht geschafft. Es fehlen noch 800 Kilometer bis zur imaginären Ziellinie.

P.S2.: Danke für euer ständiges wachsendes Interesse für die Tour- Den letzten Beitrag haben über 1000 Facebookuser gesehen.

Ganz liebe Grüße,
Leonhard

 

 

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Hallo Deutschland

by Leonhard Helminger 28. August 2013 00:41
ich bin jetzt in Lübeck. Es fehlen nur noch 1100 km.
In den letzten Tagen bin ich wieder ordentlich "geRadelt". Von Riga bis Puttgarden bin ich nur noch mit dem Rad (auch ein bissi mit der Fähre) unterwegs gewesen.
Ich gehe davon aus, dass ich in den letzten sechs Tagen über 1100 km mit "Hercules" zurückgelegt habe.
Ich kam mit den skandinavischen Preisen nur schwer zurecht, daher besorgte ich mir ein Zelt, Schlafsack plus einer Isomatte für 300 schwedische Kronen (umgerechnet für ca. 35 Euro- extrem günstig) bei Clas Ohlson, einem schwedischen Kaufhaus, genoss unter anderem die schwedische Wildnis oder auch das Camping am Bauernhof. Da ich mich mehrere Tage nicht waschen konnte, freute ich mich umso mehr wieder auf die Zivilisation und nach sechs Tagen eine warme Mahlzeit (oh wie geil woa des-yeah).  

Ganz liebe Grüße,
Leonhard

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Stockholm

by Leonhard Helminger 28. August 2013 00:38
Nach „Wien“ und „Schwarzes Meer“ geht der dritte Checkpoint „Stockholm „ allmählich zu Ende.
Es fehlen noch über 2000 Kilometer. Nach den erholsamen Tagen in Stockholm werde ich mich wieder voll auf das „Radln“ konzentrieren. Es geht Richtung Deutschland.
Von dieser Etappe bleiben die lustigen Momente mit den „Zeugenjehovas“ oder EGEA Kolleginnen/ Kollegen in Brünn oder Warschau und auch den estnischen Bauern, bei dem ich im ausgebauten Dachboden bzw. „Schuppen“ übernachten durfte, in Erinnerung. Ganz besonders empfand ich das Reparieren meines Rades mit einem Taubstummen, weil es zuvor ein Busfahrer demolierte, da dieser nicht auf gerade intelligenter Weise „Hercules“ im Gepäckraum verstaute.
 
Ganz liebe Grüße,
Leonhard
 
 

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Ankunft am Schwarzen Meer

by Leonhard Helminger 22. July 2013 13:11

Ich hab es endlich geschafft! Ein kleiner Traum geht in Erfüllung - Mit dem Fahrrad von Melk an das „Schwarze Meer“, aber erst richtig kann ich mich darüber freuen, wenn der Körper in einem passablen Zustand widerhergestellt ist! Am Schluss war ich einfach nur mehr körperlich und geistig leer. Ich bin einfach nur froh, dass alle Situationen so über die Bühne gegangen sind, wie sie sind. In einigen Momenten habe ich mich nicht wohl gefüllt und den Glauben an mich selbst verloren. Besonders in Ungarn waren die Ups und Downs in kurzen Abständen zu spüren und habe das Ziel außer Augen verloren. Es hätte einiges schief laufen können. Ich habe mich nur schwer auf die Temperaturen von 30-40 Grad zu Mittag einstellen können. 200-280 Kilometer in der Regel bei diesen Temperaturen waren oftmals viel zu viel, und hat meinen Körper und Geist alles abverlangt. Man kann so viel mit dem Geist und Willen erreichen, aber man muss sein Schicksal nicht auf eine Waagschale legen.
Ein Serbe sagte mir, schätze dich glücklich, denn normalerweise ist es viel heißer zu dieser Jahreszeit. Wenn man geschätzt mehr als 90 Stunden in 9 Tagen am Bike sitzt ist man schon stolz auf den Erfolg, aber trotzdem stelle ich die Sinnhaftigkeit vieler Situationen in Frage.

Es ist so einiges geschehen, dass ich erst mal verdauen muss. Die Beine und der Hintern freuen sich auf eine zumindest eintägige Pause.
Ich möchte mich, aber bei den vielen netten Leuten bedanken, die mich unterstützt haben. Seien es, die vielen rumänischen Kinder, die mich mit „High Fives“ schlägen oder „Hola“ Begrüßungen gepusht haben oder das Übernachten auf einer Luftmatratze in Bratislava bei Marek und Anna, obwohl Sie mich wenige Sekunden vorher auf der Straße kennen gelernt haben oder das Mittagessen bei Miles Familie (ich hoffe, dein Name wird so geschrieben). Am glücklichsten bin ich darüber, dass ich noch mit allen sieben Zwetschken angekommen bin und dass ich endlichhhhhh meine Vorurteile über Osteuropa bereinigen konnte, welches auch eine große Intention meinerseits war. Ich wünschte ihr hättet dieselben kulturellen Erfahrungen machen dürfen, dann würde der ein oder andere sein Weltbild über den Ostenüberdenken. Ich bin mir bewusst, dass einige unter uns der Kultur nicht so einen hohen Stellenwert zuschreiben, aber gebt dem „Anderssein“ eine Chance. Dies zu tolerieren ist beinhart, aber oftmals beruht Intoleranz auf Missverständnissen.

Die nächsten Ziele sind, das 25 Länder Kontingent aufzustocken, aber viel wichtiger ist meine baldige Heimreise für ein paar Tage(voraussichtlich 24. Juli- es wartet höchstwahrscheinlich eine 30ig stündige Zugfahrt von Galati-ich hoffe alles läuft wie geplant) nach Oberösterreich.


Liebe Grüße vom „Schwarzen Meer“,
tramp06

 

 

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